Durch die obere und untere Innenstadt von Kempten

Die Basilika St. Lorenz

Neben Speyer, Worms, Trier, Köln und Augsburg zählt Kempten an der Iller im Allgäu zu den ältesten Städten Deutschlands. So reicht dessen Geschichte bis ins 16. Jahrhundert v. Christus zurück. Heute ist Kempten nicht nur Hochschulstadt (1978), sondern auch Schul-, Verwaltungs- und Handelszentrum der Ferienregion Allgäu.

Geschichtlich dürfte Folgendes erwähnenswert sein: In früheren Zeiten war Kempten Jahrhunderte lang als rivalisierende Doppelstadt geprägt, in der die Freie Reichsstadt (Altstadt) und die von einem Fürstabt regierte Stiftsstadt (Neustadt) in einem Spannungsverhältnis zwischen offener Feindschaft, Koexistenz und bedingter Kooperation standen. Doch durch die Säkularisation – so wird die Nutzung kirchlicher Besitztümer durch den Staat bezeichnet – verloren beide Gemeinwesen ihre Eigenstaatlichkeit und wurden zudem im frühen 19. Jahrhundert bayerisch.

Der Zentrale Omnibus-Umstieg (ZUM) ist Ausgangs- und Endpunkt dieses Rund(roll)gangs durch die Altstadt von Kempten. Zunächst geht es durch den Stadtpark mit seinen kleinen Gewässern zum Zumsteinhaus, dem schönsten klassizistischen Bürgerhaus der Stiftsstadt, das 1802 erbaut wurde (jetzt Römisches Museum – nicht barrierefrei). Erwähnenswert ist das Gittertor von 1830 mit seiner seltenen perspektivischen Darstellung. Von dort aus ist rechterhand die Residenz und links daneben die Basilika St. Lorenz mit ihren beiden Türmen zu sehen. Als Pfarr- und Klosterkirche ist sie nach dem dreißigjährigen Krieg der erste große Kirchenbau in Süddeutschland (Baubeginn 1652). Dort befindet sich zudem der Hildegardplatz mit Brunnen, der mit Figuren verziert ist – dies wurde 2014 neugestaltet fertiggestellt. Auf diesem Platz findet übrigens mittwochs und samstags ein Wochenmarkt statt.

Zur Einkehr bietet sich dort das Allgäuer Brauhaus „Zum Stift“ mit Biergarten an (täglich geöffnet; mit Ausnahme der WCs barrierefrei zugänglich).

Gegenüber dieser Basilika befindet sich das ehemalige Kornhaus mit barocker Fassade und einem Festsaal, das um 1700 entstanden ist und als eines der monumentalsten profanen Barockbauten des Allgäus gilt. Jetzt ist darin das Allgäu-Museum untergebracht, in dem es vor allem Geschichtliches und Künstlerisches zu sehen gibt (barrierefrei). Davor wurde im Sommer 2007 als Brunnenanlage ein Wasservorhang installiert, um den Großen Kornhausplatz akustisch zu begrenzen. Von diesem Platz zweigt die Fürstenstraße ab, die durch das Wohn- und Handwerkerviertel der ehemaligen Stiftsstadt mit verwinkelten Gassen, Fachwerkhäusern, Herbergen und Bauernhäusern führt. Dann folgt man einem Fuß/Radweg (mittleres Gefälle), um dann rechts an der Memminger Straße entlang rollend/gehend (linken Gehweg benutzen) und erreicht dann die Rückseite des Marstalls, der um 1730 erbaut wurde. Darin befindet sich nun das Alpinmuseum „Der Mensch und das Gebirge – von der Urzeit bis zur Gegenwart“ sowie die Alpenländische Galerie – beides sind Zweigstellen des Bayerischen Nationalmuseums. Dieses Museum, dessen Zugang sich in der Landwehrstraße befindet, ist barrierefrei zugänglich und verfügt über eine behindertengerechte Toilette.

Die ehemalige Orangerie

Wenn man sich vor diesem Gebäude nach links wendet, kommt man zur Orangerie, der heutigen Stadtbibliothek. Erbaut wurde diese 1780 als nördlicher Abschluss des rabattengeschmückten Hofgartens, der ursprünglich in drei Terrassen angelegt war. Rechterhand von einer Wasseranlage lassen sich die dahinter befindlichen Stufen umrollen. Vor der rückwärtigen Seite der Residenz angekommen, wendet man sich nach links und an deren Ende nach rechts. Diese barocke Doppelhofanlage – eine ehemalige Benediktiner-Abtei – ließ Fürstabt Giel von Gielsberg in den Jahren 1651 bis 1674 erbauen. Die Prunkräume der Residenz können im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Schräg gegenüber der Residenz führt die Gerberstraße – eine neu gestaltete Fußgängerzone mit stärkerem Gefälle – zur sog. Altstadt. Gleich zu Beginn dieses Straßenzuges dreht sich seit November 2010 ein vier Meter hohes Mühlrad, aus dessen Beckenauslauf ein 140 Meter langes Wasserband „entspringt“, das jenen historischen Bachverlauf nachempfunden ist, der sich hier vor einigen hundert Jahren durch die Stadt schlängelte. Diese architektonische Gestaltung beabsichtigt, den traditionellen und modernen Lebensraum miteinander zu verbinden. Nachdem man dann ein Stück der Kronenstraße folgen, in der es einige sehenswerte Fassaden gibt, geht es links am Rathaus vorbei zum Rathausplatz. Zum Rathaus sei erwähnt, dass dieser Fachwerkbau zunächst als Kornschranne und Ratssaal diente und 1474 als Steinbau erneuert wurde – der letzte Umbau fand 1987 statt. Der Rathausplatz – die ehemalige Marktstraße der Reichsstadt – ist von stattlichen Patrizierbauten gesäumt. Ein Beispiel dafür ist der „Londoner Hof“, dessen gelb leuchtende Rokokofassade als die schönste der Altstadt bezeichnet wird. Dieser Platz wird zudem von dem Rathausbrunnen aus dem Jahr 1601 geschmückt, der als der schönste und älteste der Stadt gilt. Dort gibt es übrigens auch einige Straßencafés. Zu erwähnen ist noch, dass dort vor einigen Jahren für Rollstuhl-BenutzerInnen ein Plattenweg gelegt wurde, der jedoch mehr oder weniger willkürlich anfängt und endet. Als Fortführung dieses Weges wurden mittlerweile Pflastersteine gelegt, die nicht so holprig sind wie Kopfsteinpflaster.

Über diesen Platz rollt/geht man nun zum St.-Mang-Platz mit der gotischen Pfarrkirche St. Mang – benannt nach dem Sankt Galler Mönch Magnus –, die im Jahre 1426 über einen romanischen Vorgängerbau errichtet wurde. Im Zuge der Reformation wurde die Kirche dann 1525 evangelisch. Auf dem Platz davor entstand im Jahr 1905 im Jugendstil der St.-Mang-Brunnen, wo der Heilige Magnus mit Fabeltieren zu sehen ist. Im Übrigen befand sich an der Stelle des heutigen St.-Mang-Platzes bis 1537 ein mittelalterlicher Friedhof. Von diesem Platz empfiehlt sich ein Abstecher zu einer typischen gewundenen Altstadt-Straße (Bäckerstraße) mit einer Häuserzeile, die aus dem 15. bis 19. Jahrhundert stammt. Von dort zweigt das Ankergässele ab, ein idyllischer Winkel mit dem Ankertörle – dem einzigen erhaltenen Stadtmauerdurchgang.

An der gegenüberliegenden Seite zweigt die Mehlstraße ab, an deren Ende man sich zunächst nach links und dann nach rechts wenden. In dem Areal, wo Bausünden der jüngeren Vergangenheit sichtbar werden, folgt man nun der Kronenstraße, von der ein Fußgängerbereich (An der Sutt) abzweigt, der stärker ansteigt. Dieser mündet in die Fischerstraße – hier gibt es noch so einige Bürgerhäuser aus dem 18. bis 19. Jahrhundert –, der man nun nach rechts folgt, bis es linkerhand zum sog. Schlössle geht. Dies ist ein Patrizierhaus mit verputztem Fachwerkgiebel, das im Renaissance-Stil erbaut ist. Daran vorbei rollend/gehend, ist man dann nach wenigen Minuten wieder am Ausgangspunkt.

Reisende mit der Bahn • Kempten ist mit Regionalbahnen (inkl. Begleitperson) kostenfrei zu erreichen. Unter 01806/512512 kann eine mobile Einstiegshilfe bestellt werden.
• Die Bahnsteige in Kempten können mittels der ehem. Gepäckrampen barrierefrei verlassen bzw. erreicht werden.
• Vor dem Bahnhof fahren mehrere Busse zum Zentralen Omnibus-Umstieg (ZUM) – und zurück.
Parken: beim Zentralen Omnibus-Umstieg
Behinderten-WC
(Euro-Schlüssel)
• Hauptbahnhof
• Zentraler Omnibus-Umstieg (ZUM)
• neben dem Zumsteinhaus
• Rathausplatz 22 (Passage)
• Königsplatz
Sehenswürdigkeiten • Residenz (Residenzplatz 4-6; Besich-tigung nur im Rahmen einer Führung (alle 45 Minuten) möglich.
• St. Lorenz (Stiftplatzplatz) ist tags-über per Lift barrierefrei zugänglich.
Gastronomie • Zum Essen empfiehlt sich das Gast-haus „Zum Stift“ mit Biergarten (Stiftplatz 1; WC beim Zumsteinhaus).
• Zum Kaffeetrinken gibt es das Café „Etwas“ an der Iller (Brennergasse 10 mit Behinderten-WC).
Übernachtung Hotel Waldhorn (Familie Heel)
Steufzgen 80, Tel.: 0831/58058–0
Mail: info@waldhorn-kempten.de
Quelle: Hotel-Info
Erreichbar mit der Buslinie 6 ab ZUM