Eltville – das Städtchen der Türme und des Weins
Dieser barrierefreie Rund(roll)gang durch die historische Altstadt beginnt bei dem Parkplatz an der Straße „Weinhohle“. Dieser Straße folgt man nach rechts, um dann in die Gutenberg Straße einzubiegen. Dort erblickt man alsbald den Stadtturm – auch Sülz-Turm genannt –, der dann Teil der mittelalterlichen Stadtmauer war. Denn durch die Verleihung des Stadtrechts – 1332 – war damit auch die Befugnis verbunden, eine solche zu errichten. Ab 1753 diente der Stadtturm dann als Gefängnis. Als dieses Gebäude im 19. Jahrhundert neugotisch umgestaltet wurde, diente der Turm der Kurfürstlichen Burg als Vorbild (siehe die Burg nahe des Rheins).
Vorbei am Rathaus rollt/geht man nun zur Schwalbacher Straße, der man nach links in die Fußgängerzone folgt. Nach Überquerung einer Straße steht linkerhand das alte Rathaus, das 1513 erbaut und bis 1827 genutzt wurde. Dort befindet das Café „Federleicht“ (Hs-Nr. 12, Mo Ruhetag) – allerdings ist nur die Terrasse barrierefrei zugänglich, die Teil die Fußgängerzone ist. Übrigens: Um die Ecke – in der Grabengasse – befindet sich die alte „gemeine Badstube“, die 1512 erstmals urkundlich erwähnt wurde.
Nun rollt/geht man durch die Leergasse, in der sich einst u.a. auch der Wehr- und Gerichtsplatz befand. Der dortige Entenbrunnen erinnert daran, dass bis 1900 in den offen vorbeifließenden Bach Enten schwammen.
Dieser Gasse weiter folgend, kommt man am Sohlern’schen-Hof vorbei, der inzwischen Teil des Werksgeländes der MM-Sektkellereien ist. Im Jahre 1811 wurde dort zunächst einer Weinhandlung eröffnet – 26 Jahre später kam es zur Gründung von einer der ersten deutschen Sektkellereien. Seitdem ist Eltville sowohl durch die zahlreichen Weingüter als auch durch die Produktion von Wein und Sekt bekannt. Aber auch durch die Straußwirtschaften, in denen dies verkostet werden kann. Solche Lokale sind von Winzern oder Weinbauern nur saisonal geöffnet.
St. Peter und Paul
Am unteren Ende der erwähnten Gasse ist rechterhand der Sebastiansturm mit dem Standbild des Stadtpatrons zu sehen. Rechts davon befindet das Weinhaus „Zur Krone“, deren Geschichte bis 1687 zurückreicht. Damals von einem Ortsansässiger Zimmermann erbaut, diente dies lange Jahre als Domizil für bedeutende Beamte. Dies ändere sich, als Mitte des 18. Jahrhunderts der Besitzer das Privileg erhielt, eine Weinschänke zu betreiben. Dieses Lokal besteht noch immer – nebst einem kleinen Hotel.
Darum herum breitet sich damals ein Fischerviertel aus. Bezüglich der Stadtbefestigung bildete dieser Turm den südwestlichen Eckpfeiler davon (beides ist nun Privat-Gelände). Dort ist auch ein Teil der Stadtmauer zu sehen – so wie dies auch an anderen Stellen der Altstadt der Fall ist. Diese Befestigung wurde übrigens nach der Stadterhebung 1332 errichtet. Davor befand sich ein 20 Meter breiter und fünf Meter tiefer Graben sowie etliche Wehrtürme. Hiervon sind noch zwei Türme erhalten geblieben. Bereits 1689 wurden die Wehrgänge entfernt und stattdessen Häuser an oder auf die Mauer gebaut.
Nun dort links entlang rollend/gehend, wird zunächst das Martinstor erreicht, das einzig erhaltene Stadttor – davon gab es übrigens drei weiteren. Dieses Tor hatte vor allem deshalb eine zentrale Bedeutung, da es – in Höhe der Burg und nahe des Rheins – einen Verladekran gab. Etwas weiter – zwischen Martins- und Rosengasse – kommt man an der Gebäudegruppe „Eltzer Hof“ vorbei, die um 1577 und 1600 errichtet wurde.
Nach der schon erwähnten Rosengasse kommt nun das „Haus Rose“ mit den grünen Fensterläden in Sicht, das 1480 erstmals als Hof „uff der Rosen“ erwähnt wurde – im 17. Jahrhundert ging dies dann in bürgerlichen Besitz über. Dieses Gebäude in seiner heutigen Form wurde im Jahre 1739 erbaut – aus dieser Zeit ist der Speisesaal mit der prächtigen Stuckdecke erhalten geblieben, in dem übrigens auch der weitgereiste Johann Wolfgang von Goethe 1814 speiste. Danach kommt eine kurze Strecke mit Gefälle bzw. Steigung.
In einiger Entfernung – hinter dem „Haus Rose“ mit den grünen Fensterläden – wird zwischen den Häusern der Turm der Pfarrkirche St. Peter und Paul sichtbar. Das spätgotische Gotteshaus wurde um 1350 bis 1440 erbaut. Während im Inneren der Kirche bedeutende Werke der Malerei und Bildhauerkunst beeindrucken, ist dies in der Turmhalle die Darstellung des „Jüngsten Gerichts“. Dies wurde in dem Zeitraum zwischen 1405 und 1410 erschaffen.
Am Ende der Rhein-Promenade thront linkerhand die Kurfürstliche Burg, die ab 1330 auf eine zerstörte Vorgängerburg durch Balduin von Trier erbaut wurde – deren Weiterbau und Fertigstellung erfolgten bis etwa 1350 durch seinen Nachfolger. In der Folgezeit gab es Phasen von Zerrstörung und Aufbau einerseits sowie einen häufigen von kirchlichem und weltlichem Besitzerwechsel andererseits. Im Turm erinnert die Gedenkstätte an Johannes Gutenberg (etwa 1400-1468), der die Buchdruckerkunst mit beweglichen Lettern erfand. In jüngster Zeit gilt die Kurfürstliche Burg als Mittelpunkt des kulturellen Geschehens der Stadt. Übrigen befindet sich im Erdgeschoss des Turmes die Tourist-Information sowie der Burgladen. Allerdings ist dies nicht barrierefrei zugänglich. Sehenswert sind die Gartenanlagen – vor allem, wenn die Rosen blühen –, die am Fuß der Burg angelegt und barrierefrei zugänglich sind.
Davon schräg gegenüber erhebt sich das älteste Bauwerk der Stadt: Die Burg Crass, die sich jedoch außerhalb der Stadtmauer befand. Dieses Bauwerk, das im Kern romanisch und gotisch ist, wurde um 1840 neugotisch verändert. Seit 1997 dient diese Burg nun als Hotel und Lokal „Burg Crass“ – mit Rheinterrasse und südlicher Atmosphäre.
Von der Burg Crass aus folgt (hier kommt es zu einer kurzen Strecke mit Gefälle bzw. Steigung) man dem Freygässchen, das wieder zu dem Stadtturm führt, der erste Turm bei diesem Rund(roll)gang. Von dort aus geht es zurück zum Ausgangspunkt.
| Navi-Adresse / Behinderten- Euro-Parkausweis |
Deutschland, Eltville, Parkplatz P2 an der Straße „Weinhohle“ (Altstadt/Kurfürstliche Burg) |
| Barrierefreies-WC (Euro-Schlüssel) |
Gutenbergstraße 13 (Rathaus) |
| Gastronomie ohne barrierefreies WC | „Altstadt Café Glockenhof“ (Marktstraße 3, barrierefreier Zugang um die Ecke, Ruhetag Di / Mi) |
| Übernachtung | In der Region Rheingau – siehe diesen Link |