Die Fuggerei – eine „Stadt in der Stadt“
Die Fuggerei mit ihren efeubewachsenen Häusern und beschaulichen Plätzen dürfte die älteste Sozialsiedlung der Welt sein und immer noch genutzt wird. Jakob Fugger – u.a. bedeutendste Kaufmann Europas – und seine Brüder stiftete im Jahre 1521 die Fuggerei, die 67 Häusern mit 142 Wohnungen umfasst.
Typisch für die Fuggerei ist der Ockerton, mit dem die Fassaden gestrichen sind sowie das Grün der Fensterläden – diese Kombination stammt übrigens aus dem 19. Jahrhundert. Charakteristisch sind auch die Treppengiebel, die zur Entstehungszeit der Fuggerei üblich waren.
Um dort wohnen zu können, mussten mehrere Bedingungen erfüllt werden, die von dem Stifter festgelegt wurden. So wurden u.a. nur Tagelöhner oder Handwerker aufgenommen, die ehrbar waren und sich um Arbeit bemühen. Zudem mussten die Bewohner aus Augsburg stammen, katholisch sein sowie dreimal täglich für das Seelenheil des Stifters beten. Bettler jedoch hatten keine Chance, aufgenommen zu werden – darum sollte sich Stadt und Kirche kümmern, befand Fugger.
Für den Zugang in diese „Stadt in der Stadt“ ist am Eingang ein kleiner Betrag zu entrichten, um diese Wohnsiedlung besichtigen zu können. Die Fuggerei besteht aus acht Gassen und drei Toren – letztere werden auch jetzt noch um 22 Uhr von einem Nachtwächter geschlossen. Innerhalb der Fuggerei gibt es gegenüber der Kirche ein Lokal mit Biergarten.
Um die Zeit der Reformation – im 16. Jahrhundert – ließen Markus und Philipp Eduard Fugger für die katholischen BewohnerInnen 1580 die St. Markus-Kirche erbauen, die jedoch nach der Kriegszerstörung von 1944 wiederaufgebaut werden musste. Sehenswert sind darin einige Kunstwerke wie das Altarblatt, das um 1595 entstanden ist.
Mit Ausnahme des Bunkermuseums – in dem wichtige Ereignisse der Machtergreifung bis zum Wiederaufbau zu sehen sind – sind die sonstige Museen der Fuggerei über Rampen auch für Rollstuhl-BenutzerInnen zugänglich. Da es in der historischen Wohnung etliche Türschwellen gibt, bedarf bei den einzelnen Räumen möglicherweise Hilfestellungen.
Ansonsten gibt es in der Fuggerei einige Besonderheiten, die nicht unerwähnt bleiben sollten. Hierzu zählt seit jeher die Sicherheit in dieser Siedlung. Deshalb werden die Tore auch zwischen 22 und 4 Uhr 30 geschlossen – wer vor oder nach Mitternacht Einlass begehrt, von wird einen der drei NachtwächterInnen um einen Obolus von 50 Cent bzw. 1 Euro gebeten. Eine andere Bewandtnis hat es mit den 16 Hausmadonnen und Hausheiligen auf sich, die sich neben manchen Türen befinden. Dies ist auf die Epochen der Gotik und dem Barock zurück zu führen – in jener Zeit erbaten sich die Menschen von bestimmten Heiligen, dass Haus und Hof beschützt werden. Zu erwähnen gilt aber auch den nostalgischen Pump-Brunnen bei der Kirche, der noch intakt ist.
| Reisende mit der Bahn | Eine mobile Einstiegshilfe kann bei der Mobilitätsservice-Zentrale (030 65 21 28 88) angefordert werden. |
| Reisende mit dem Auto | Navi-Adresse: Deutschland, Augsburg, Jakoberstraße 26. |
| Trams zur Fuggerei – ab Bahnhof |
Linie 1 Richtung Lechhausen; Haltestelle „Fuggerei“. |
| Rollstuhl-Ausleihe | Menschen mit Mobilitätseinschränkungen können sich an der Kasse kostenlos einen Rollstuhl ausleihen |
| Rolli-WC | • Hauptbahnhof (am Lift vorbei, dann rechts um die Ecke). • In der Fuggerei (Neue Straße; in der Damen-Toilette). |
| St. Markus-Kirche | St. Markus-Kirche: Eine Schwelle, ansonsten barrierefrei zugänglich. |
| Gastronomie | Das Lokal „Die Tafeldecker“ ist barrierefrei zugänglich |
| Übernachtung | Hotel einsmehr“ (Alfred-Nobel-Straße 7, Tele. 0821-455910, Mail info@hotel-einsmehr.de, Website |
| Weitere Infos | • „Barrierefreiarme Stadttouren“ • „Gut informiert“ |